Barttransplantation
Verpflanzung eigener Haarwurzeln aus dem Hinterkopfbereich in Bart-, Schnurrbart- und Wangenpartien, in denen der Wuchs von Natur aus lückenhaft ist oder durch Narben unterbrochen wurde.

Was ist eine Barttransplantation und wie funktioniert sie?
Die Barttransplantation ist ein Eingriff, bei dem körpereigene Haarfollikel aus einem dicht bewachsenen Spenderbereich entnommen und in die Bartregion verpflanzt werden. Fremdes Gewebe kommt dabei nicht zum Einsatz – transplantiert wird ausschließlich eigenes Haar.
Als Spenderbereich dient in der Regel der Nacken beziehungsweise der untere Hinterkopf. Die Follikel dieser Zone sind gegenüber dem Hormon DHT weitgehend unempfindlich. Sie behalten diese Eigenschaft auch nach der Verpflanzung bei, weshalb die verpflanzten Haare an ihrer neuen Stelle dauerhaft verbleiben.
Ein wesentlicher Unterschied zur Kopfhaartransplantation liegt in der Planung. Barthaare wachsen in einem sehr flachen Winkel aus der Haut und stehen einzeln, nicht in Gruppen. Damit das Ergebnis natürlich wirkt, werden die Grafts überwiegend in Einzelform vorbereitet und die Austrittsrichtung wird für jede Region des Gesichts gesondert festgelegt – Kinn, Kieferlinie, Wangen und Oberlippe folgen jeweils einem eigenen Wuchsmuster.
Die benötigte Anzahl an Grafts richtet sich danach, welche Bereiche verdichtet werden sollen. Für die Auffüllung einzelner Lücken genügen oft wenige hundert Grafts; bei der Gestaltung eines Vollbarts liegt der Bedarf deutlich höher. Die endgültige Zahl ergibt sich erst nach Beurteilung des Spenderbereichs, denn dessen Kapazität begrenzt das Machbare.

DHI- und FUE-Methode im Vergleich
Beide etablierten Techniken kommen auch im Gesichtsbereich zum Einsatz. Sie unterscheiden sich nicht in der Entnahme, sondern darin, wie die Follikel eingebracht werden.
DHI mit dem Choi-Implantierstift. Kanalöffnung und Platzierung erfolgen in einem einzigen Arbeitsschritt. Der Follikel wird in die zylindrische Spitze des Stifts geladen und direkt in die Haut eingebracht. Da kein separater Kanal vorgeschnitten wird, bleibt die Gewebeirritation gering und die Verweildauer der Grafts außerhalb des Körpers kurz. Die Methode erlaubt eine engere Setzung und eine sehr präzise Winkelkontrolle – im Bartbereich, wo der Austrittswinkel besonders flach ist, ist das ein spürbarer Vorteil.
FUE mit vorbereiteten Mikrokanälen. Hier öffnet der Arzt die Empfängerkanäle zunächst mit feinen Klingen oder Saphirspitzen und setzt die Follikel anschließend ein. Die Kanäle entsprechen in ihrer Breite dem Durchmesser der Wurzeln, wodurch das umliegende Gewebe geschont wird. Zwischen Entnahme und Einsetzen werden die Grafts in einer Kühllösung aufbewahrt.
Welches Verfahren im Einzelfall gewählt wird, hängt von der Beschaffenheit des Spenderbereichs, der Größe der zu behandelnden Fläche und der Struktur des Haares ab. Ausführlicher beschrieben sind beide Techniken auf den Seiten zur DHI Haartransplantation und zur FUE Haartransplantation.
In welchen Fällen wird sie in Betracht gezogen?
Genetisch bedingt lückenhafter Bartwuchs. Der häufigste Grund. Betroffen sind meist die Wangen, während Kinn und Oberlippe kräftiger bewachsen sind.
Narben nach Verletzungen, Verbrennungen oder Operationen. In Narbengewebe wachsen keine Haare nach. Eine Verpflanzung kann solche Stellen optisch schließen, wobei die Durchblutung des Narbengewebes vorab beurteilt werden muss.
Asymmetrien. Ein einseitig schwächerer Wuchs lässt sich durch gezielte Verdichtung ausgleichen.
Konturkorrekturen. Eine unklare Kieferlinie oder eine tief ansetzende Wangenlinie kann durch Verpflanzung nachgezeichnet werden.
Haarverlust nach Vernarbung oder länger zurückliegender Erkrankung. Voraussetzung ist ein seit mindestens einem Jahr stabiler, entzündungsfreier Zustand.
Wie läuft der Eingriff ab?
Untersuchung und Planung. Der Spenderbereich wird auf Dichte und Haarstruktur untersucht, die gewünschte Bartform aufgezeichnet und der Graftbedarf ermittelt. Vorerkrankungen, Medikamente und Blutwerte werden erfasst.
Örtliche Betäubung. Sowohl der Spenderbereich als auch die Gesichtspartien werden lokal betäubt. Der Eingriff erfolgt im Wachzustand; während der Behandlung ist kein Schmerz zu erwarten.
Entnahme der Grafts. Die Follikel werden einzeln mit Mikropunches aus dem Nacken entnommen. Es entsteht keine durchgehende Schnittnaht, sondern nur punktförmige Öffnungen, die von selbst verheilen.
Sortierung. Unter dem Mikroskop werden die Grafts geprüft und nach der Anzahl der enthaltenen Follikel sortiert. Für die vorderen Bartlinien werden Einzelhaargrafts reserviert.
Einsetzen. Die Follikel werden in der zuvor festgelegten Richtung und Dichte platziert. Der gesamte Eingriff dauert je nach Umfang in der Regel mehrere Stunden.
Nach dem Eingriff. Es wird eine Nachsorgeanleitung ausgehändigt. In den ersten Tagen sind Schwellungen und kleine Krusten im Gesicht normal. Rasieren des transplantierten Bereichs ist erst nach Freigabe erlaubt, üblicherweise nach mehreren Wochen.
Für wen ist der Eingriff nicht geeignet?
- Personen mit unzureichender Kapazität des Spenderbereichs
- Patienten mit aktiven Hauterkrankungen im Gesicht, etwa entzündlicher Akne oder einer akuten Infektion
- Personen mit unbehandelten Blutgerinnungsstörungen oder unzureichend eingestelltem Diabetes
- Patienten mit fortschreitender Autoimmunerkrankung der Haarwurzeln, solange diese nicht stabil ist
- Personen mit Neigung zu Keloidnarben
- Sehr junge Patienten, bei denen der natürliche Bartwuchs noch nicht abgeschlossen ist
Teilen Sie vor dem Eingriff alle eingenommenen Medikamente, bestehende Erkrankungen und frühere Behandlungen im Gesichtsbereich mit. Blutverdünner und einige Nahrungsergänzungsmittel erfordern eine gesonderte Planung.
Wann werden Ergebnisse sichtbar?
Der Verlauf folgt einem festen Muster. In den ersten zwei bis vier Wochen fallen die transplantierten Haare größtenteils aus. Dieser sogenannte Shock Loss ist erwartet und bedeutet keinen Verlust der Wurzel – der Follikel bleibt in der Haut und tritt in eine Ruhephase ein.
Ab etwa dem dritten Monat beginnt der neue Wuchs. Die ersten Haare sind zunächst dünn und hell und gewinnen mit jedem Wachstumszyklus an Stärke. Zwischen dem sechsten und achten Monat zeichnet sich die neue Bartform deutlich ab.
Das endgültige Bild – volle Dichte und angeglichene Haarstruktur – zeigt sich im Allgemeinen nach zwölf bis achtzehn Monaten. Der Bartbereich entwickelt sich dabei häufig etwas langsamer als die Kopfhaut. Der individuelle Verlauf hängt von Alter, Haarstruktur und Heilungsverhalten ab.
Kombination mit anderen Anwendungen
Die Barttransplantation wird häufig durch unterstützende Verfahren begleitet. Mesotherapie und Growth Factor zielen darauf ab, die Durchblutung im Transplantationsbereich zu fördern und die Heilungsphase zu begleiten. Solche Anwendungen ersetzen den Eingriff nicht, sondern werden ergänzend und zeitlich abgestimmt geplant.
Besteht gleichzeitig ein Bedarf im Kopfbereich, werden beide Eingriffe in der Regel nicht am selben Tag durchgeführt. Der Spenderbereich ist eine begrenzte Ressource; seine Aufteilung wird im Voraus geplant.
Hygiene und Vorbereitung
Alle für den Eingriff verwendeten medizinischen Instrumente werden vor und nach jedem Gebrauch aufbereitet. Einwegmaterialien werden nach einmaliger Verwendung entsorgt. Untersuchungs- und Behandlungsräume werden zwischen den Eingriffen desinfiziert.